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Anzeichen einer Zwangserkrankung

"Ich habe Angst, mich anzustecken und muss mich immer wieder waschen, wenn ich jemandem die Hand gegeben habe. Meistens gebe ich gar niemandem mehr die Hand. Deshalb bleibe ich auch lieber zu Hause. Und wenn ich doch jemandem die Hand geben muss, dann wasche ich mir die Hände 20 bis 50 mal, weil ich nie weiss, ob sie nicht immer noch infiziert sind. Das Handtuch kann ich nicht zum Abtrocknen benutzen, weil es auch infiziert sein könnte. Ich weiss, das klingt verrückt. Ich wäre froh, wenn ich wieder normal anderen Menschen Guten Tag sagen könnte."

Wenn sich eine Person gezwungen fühlt, bestimmte Handlungen auszuführen oder von bestimmten Gedanken nicht ablassen kann, könnten verschiedene Ursachen vorliegen. Unter Umständen kann es sich um eine Krankheit handeln, die Zwangskrankheit oder Zwangserkrankung genannt wird.

Wenn folgende Beschreibungen auf die Gedanken oder Handlungen einer Person zutreffen, kann es sich um eine Zwangserkrankung handeln.

  • die Gedanken/Handlungen wiederholen sich und sind zeitraubend
  • die Gedanken/Handlungen sind unangenehm bis quälend
  • der Zwang zum Handeln oder Denken kommt von innen (aus dem eigenen Kopf)
  • Sie versuchen, dem Zwang manchmal zu widerstehen, auch wenn es nicht klappt
  • die zwanghaften Gedanken/Handlungen verursachen Stress und/oder beeinträchtigen das Alltagsleben

Falls Sie sich in diesen Beschreibungen wiederfinden, sprechen Sie bitte mit Ihrem Arzt/Ihrer Ärztin.


Beispiele von Zwangshandlungen/Zwangsgedanken

Am häufigsten tritt der Zwang auf:

  • sich oder etwas anderes zu reinigen
  • etwas nachzukontrollieren
  • bestimmte, an sich nutzlose Dinge zu sammeln
  • etwas zu sortieren oder zu ordnen
  • bestimmte Rituale (z.B. Schrittfolgen) auszuführen
  • andere zu berühren

Oft werden solche Handlungen aufgrund zwanghafter Befürchtungen (z.B. davor, sich anzustecken) oder aufgrund zwanghaften Zweifelns (habe ich die Tür wirklich abgeschlossen?) ausgeführt. Manchmal kommen solche Zwangsgedanken auch ohne entsprechende Handlungen vor, z.B. Nachdenken über die eigene Gesundheit oder aggressive/sexuelle Gedanken.

Bitte beachten Sie, dass nicht jedes mehrmalige Nachkontrollieren oder häufige Waschen bedeutet, an einer Zwangserkrankung zu leiden. Auch sind nicht die Gedanken oder Befürchtungen der Betroffenen an sich "verrückt", sondern das Ausmass.

Befürchtung Reaktion
normal krankhaft normal krankhaft
Befürchtung, dass etwas Schlimmes passiert Die Wahrscheinlichkeit wird stark überschätzt Kontrollmassnahmen ergreifen, damit es nicht passieren kann Dieselben Massnahmen statt 1-2 mal immer wieder wiederholen
Befürchtung, sich anzustecken Die Gefahr wird stark überschätzt Sich und Gegenstände reinigen Nicht nur 1-2 mal säubern, sondern immer wieder

Quelle: Lundbeck (Schweiz) AG



Wie stellt der Arzt / die Ärztin fest, ob eine Zwangserkrankung vorliegt?

Bevor ein Arzt / eine Ärztin mit einer Behandlung anfängt, versucht er/sie herauszufinden, woran der Patient oder die Patientin leidet. Um zu einer genauen Diagnose zu kommen, werden oft Checklisten verwendet. Für psychische Erkrankungen werden DSM-IV (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders) oder ICD-10 (International Classification of Diseases) zugrunde gelegt.

Ihr Arzt / Ihre Ärztin wird Ihnen verschiedene Fragen stellen, um sicher zu sein, ob Sie an einer Zwangserkrankung leiden. Es gibt keine Möglichkeit, diese Krankheit durch die Untersuchung von Blut oder Urin festzustellen. Zu Forschungszwecken können mit einem sogenannten bildgebenden Verfahren, dem PET (Positronen-Emissions-Tomographie), krankhafte Veränderungen im Gehirn bei Zwangserkrankten nachgewiesen werden.

Zur Abklärung einer Zwangserkrankung genügen dem Arzt / der Ärztin jedoch meist Ihre Antworten auf seine/ihre Fragen.

Hier finden Sie die Kriterien, die von ÄrztInnen zur Diagnose einer Zwangserkrankung verwendet werden:

 


Weitere Anzeichen: andere Erkrankungen

Wer an einer Zwangserkrankung leidet, ist oft noch von anderen seelischen Störungen betroffen, die das Leben weiter erschweren.

Dies reicht von unangenehmen Gefühlen, wie ...
  • ... Angst vor Ablehnung
  • ... Unsicherheit bei Entscheidungen
  • ... Hoffnungslosigkeit, Niedergeschlagenheit

bis zu ernsthaften Erkrankungen, wie z.B. ...
  • ... Depression
  • ... Angststörungen
  • ... Schizophrenie

Mindestens ein Drittel aller Personen, die von einer Zwangserkrankung betroffen sind, leiden auch an einer anderen behandlungsbedürftigen Krankheit. (Die Ärzte nennen dies Komorbidität.) Unter Umständen sind davon auch das Herz-Kreislauf-System, der Magen oder andere Organe betroffen.

Diese Krankheiten müssen und können behandelt werden. Fragen Sie Ihren Arzt oder Ihre Ärztin.

Weitere Anzeichen: soziale Probleme

Eine Zwangserkrankung bringt für die Betroffenen mit der Zeit oft immer grössere soziale Probleme mit sich.
  • Arbeitsunfähigkeit
  • kaum noch zwischenmenschliche Kontakte
  • finanzielle Schwierigkeiten
  • Alkoholabhängigkeit

Eine frühe Erkennung und Behandlung der Krankheit kann diese Begleiterscheinungen verringern. Das alleinige Auftreten solcher Probleme heisst nicht, dass der oder die Betroffene unter einer Zwangserkrankung leidet (siehe Anzeichen). Wenn jedoch andere Ursachen ausgeschlossen werden können, ist es unter Umständen hilfreich zu prüfen, ob eine Zwangserkrankung vorliegt.