Am wichtigsten ist es, Zwangserkrankte zur Behandlung zu motivieren
Sie helfen sich, der Familie und dem Patienten am besten, wenn Sie ihn motivieren können, eine professionelle Behandlung zu beginnen. Sie könnten z.B. folgendes tun oder sagen:
- Eine Broschüre oder ein Buch zum Thema Zwangsstörung zeigen.
- "Du bist nicht der einzige mit dieser Krankheit."
- "Es ist eine wirkliche Krankheit, nichts Eingebildetes."
- "Man hört heute immer wieder, dass es eine Behandlung für Deine Krankheit gibt."
- "Sprich doch einfach mal mit unserem Arzt darüber, was er meint."
Patienten bei der Behandlung unterstützen
- Daran erinnern, Vereinbarungen mit dem Arzt oder Therapeuten einzuhalten.
- Fortschritte loben, Rückschritte ignorieren.
- Sich und Patienten über die Krankheit informieren.
- Beobachtungen über Wirkungen, Nebenwirkungen, Reaktionen etc. dem Arzt oder Therapeuten mitteilen.
Richtiger Umgang mit den Zwangshandlungen
Es ist besser, sich nicht in die Rituale hineinziehen zu lassen, da es den Betroffenen darin bestärkt, dass nur die Einhaltung der Rituale ihn vor dem Schlimmsten bewahre. Dasselbe gilt, wenn von Ihnen verlangt wird, dass Sie an seiner Stelle etwas nachkontrollieren oder ihm immer wieder versichern müssen, dass schon alles in Ordnung ist. Ausserdem schränkt es natürlich alle anderen ein, wenn sie bei den Ritualen mitmachen müssen, keine Gäste einladen dürfen, das Badezimmer nicht ohne Generalreinigung benutzen dürfen, etc. Andererseits ist das Familienklima ja ohnehin oft belastet und die Toleranzgrenze bei allen Mitgliedern niedriger als üblich. D.h., dass weder der Betroffene noch die Angehörigen viel Energie haben, solche Auseinandersetzungen ("bitte kontrolliere das – nein, ich mache das nicht für dich") lange auszuhalten. Im Rahmen einer Beratung können Wege erarbeitet werden, wie man damit umgehen will (z.B. "ich möchte dir das eigentlich
schon gern abnehmen, weil ich dir helfen will, aber wir haben gehört, dass ich dir damit nicht wirklich helfe"). Finden Sie andere Aktivitäten (wenn möglich ausser Haus), die Sie gemeinsam unternehmen können, die allen Beteiligten Freude machen. Vielleicht gelingt es Ihnen auch, die Aufmerksamkeit des Erkrankten auf etwas anderes zu lenken.
Auch wenn man heute weiss, dass Zwangsstörungen nicht durch die Familie verursacht werden, so kann das Verhalten der Familienmitglieder doch Auswirkungen auf die Krankheit haben. Vermeiden Sie es daher, den Erkrankten unter Druck zu setzen. In den allermeisten Fällen, leiden die Betroffenen ja selbst am meisten unter ihrer Krankheit und der Unfähigkeit, sie in den Griff zu bekommen. Vielleicht hilft es Ihnen auch ruhiger zu bleiben, wenn Sie daran denken, dass es nicht die Person selbst ist, die aggressiv Ihnen gegenüber ist, sondern dass es die Krankheit ist. Das Selbstwertgefühl der erkrankten Personen ist meist sowieso recht angekratzt. Es ist daher besonders positiv, wenn sie ihm die Gelegenheit geben können, seine Stärken zu zeigen und zumutbare Aufgaben zu übernehmen. Er ist nicht in jeder Hinsicht invalid und muss sich z.B. auch an Familienregeln oder Abmachungen halten.
Eigenen Freiraum erhalten
Für die ganze Familie ist es wichtig, dass jeder für sich erfreuliche Erlebnisse haben kann, die von der Zwangsstörung nicht überschattet werden. Sie helfen der erkrankten Person nicht, wenn auch Sie noch völlig erschöpft sind. Hilfreich dafür sind klare Abmachungen in der Familie, wer sich wann um den Zwangserkrankten kümmert. Erfahrungsgemäss können nicht nur Betroffene sondern auch Angehörige von Selbsthilfegruppen profitieren. Leider gibt es in der Schweiz noch kaum solche Gruppen.