Zur Behandlung von Zwangserkrankungen werden verschiedene Formen der Psychotherapie eingesetzt:
- Verhaltenstherapie
- Systemische Kurzzeittherapie
- Psychoanalytische Therapie
- Psychodynamische Therapie
- Familientherapie
- Selbsthilfegruppen
- Entspannungstechniken
- Bücher mit Selbsthilfeprogramm
Gut bewährt hat sich die Verhaltenstherapie und die systemische Kurzzeittherapie. Falls diese nicht erhältlich sind oder als Ergänzung dazu, können Selbsthilfegruppen (bisher noch kaum in der Schweiz vorhanden) oder Selbsthilfeprogramme hilfreich sein.
Verlauf einer Verhaltenstherapie
Im Allgemeinen dauert eine Verhaltenstherapie mindestens 2 Monate mit wöchentlichen 1-stündigen Sitzungen in der therapeutischen Praxis. Wirkliche Verbesserungen sind jedoch effizienter in Ihrer natürlichen Umgebung zu erreichen. Also dort, wo Sie Ihre Zwangshandlungen normalerweise ausführen müssen. Deshalb vereinbart der Therapeut / die Therapeutin mit Ihnen Hausaufgaben, die Sie in Ihrem Alltag ausführen können. Für eine Besserung ist es daher sehr wichtig, dass Sie diese Übungen und Veränderungen absolvieren. Zur Unterstützung dieser Hausaufgaben gibt es Software, die sich individuell auf die Situation des Patienten anpassen lässt.
Es gibt auch intensive Therapieformen, in denen der Therapeut Sie im Alltag begleitet. Wenn Ihre Zwangssymptome sehr belastend sind, kann es sinnvoll sein, die Therapie in einem Spital zu machen.
Üblicherweise wird die erste Stunde benutzt, damit Therapeut und Patient sich beschnuppern können. Wenn beide dieses Setting für hilfreich halten, werden die Rahmenbedingungen für die Therapie vereinbart: wie hoch sind die Kosten, wer übernimmt diese, wann und in welchem Rhythmus finden die Sitzungen statt. Des weiteren werden die Ziele vereinbart. Anhand dieser Ziele wird im Verlauf der Thearapie immer wieder überprüft, ob und welche Fortschritte erzielt wurden.
Bei den nächsten Sitzungen wird der Therapeut den Patienten anleiten, wie er seine Handlungen besser kontrollieren kann. Dazu muss der Patient sich den Situationen aussetzen, die er ansonsten vermeidet, oder die ihm besondere Angst einflössen (z.b. verschmutzte Dinge anfassen). Der Therapeut achtet natürlich darauf, dass dem Patienten nichts passieren kann. Man nennt diesen Teil der Therapie "Exposition in vivo". Natürlich muss sich der Patient für ein solches Vorgehen überwinden - und dies funktioniert nur, wenn er wirklich motiviert für eine Veränderung ist. Ein zweiter Schritt besteht darin, die üblichen Reaktionen (z.B. Händewaschen) zu verhindern (dies wird Reaktionsverhinderung genannt).
Der kognitive Therapieansatz stellt eine Weiterführung der Verhaltenstherapie dar. Hierbei wird nicht nur eine Veränderung des Verhaltens, sondern auch eine Veränderung der Gedanken angestrebt. Da den Zwangshandlungen oft Zwangsgedanken vorausgehen und manche Patienten gern mehr Einsicht in ihre Krankheit bekommen wollen, ist dieser Ansatz zusätzlich hilfreich. Der Therapeut übt mit dem Patienten hilfreiche Gedanken und diskutiert die bisherigen zwanghaften Vorstellungen.
Der richtige Therapeut / die richtige Therapeutin
Eine Besserung Ihrer Symptome kann nur erfolgen, wenn Sie Vertrauen zu Ihrem Therapeuten haben können. Ihr Arzt/Ihre Ärztin kann Ihnen Adressen vermitteln. Scheuen Sie sich nicht, einen anderen Therapeuten auszuprobieren, wenn Sie mit dem ersten nicht zurechtkommen. Sollten Sie während der Therapie keine Besserung spüren und leitet Sie Ihr Therapeut nicht dazu an, sich belastenden Situationen auszusetzen, reden Sie mit Ihrem Therapeuten darüber. Sollte sich nichts ändern, fragen Sie Ihren Hausarzt / Ihre Hausärztin oder erkundigen Sie sich bei den Fachgesellschaften, die in der Linksammlung aufgeführt sind. Auch wenn noch nicht überall entsprechend ausgebildete Therapeuten verfügbar sind, nimmt doch deren Zahl stetig zu.